Jérôme Boateng hatte sich mit seiner Rolle fast schon angefreundet. „Es ist für mich kein Problem rechts zu spielen. Für die EM ist es vielleicht sogar ein Vorteil“, erklärte der Defensivspieler des FC Bayern im Trainingslager in Katar. Da wusste Boateng allerdings noch nicht, dass er wenige Wochen später dringender denn je auf der Position gebraucht werden würde, für die er eigentlich im Sommer von Manchester City verpflichtet wurde: Als Innenverteidiger.
Durch den langfristigen Ausfall von Daniel van Buyten (eigener Bericht) suchte Holger Badstuber einen neuen Partner in der zentralen Defensivreihe. Boateng bekam von Cheftrainer Jupp Heynckes am vergangenen Wochenende gegen den VfL Wolfsburg das Vertrauen geschenkt - und überzeugte. Nicht einen gefährlichen Torschuss ließ die Abwehrformation des FC Bayern zu, der FCB siegte 2:0.
Doch nun zwingt die Gelb-Sperre von Rafinha Coach Heynckes in Hamburg (Samstag, 18.30 Uhr) zum erneuten Umbau seiner Defensive. „Es ist sehr ärgerlich, dass Van Buyten und Rafinha fehlen“, sagte Boateng vor der Partie gegen seinen Ex-Verein. Dennoch ist der gebürtige Berliner davon überzeugt, „dass wir es beim HSV auffangen können“.
Muss Boateng nun wieder als Rechtsverteidiger aushelfen? Nicht zwingend. Heynckes hat mehrere Alternativen. Würde er das gut funktionierende Duo Badstuber/Boateng erneut innen verteidigen lassen, müsste er die Position auf der rechten Seite nur Eins-zu-eins ersetzen. Allerdings mit einem Spieler, der dort in dieser Saison noch nie zum Einsatz gekommen ist: In allen Pflichtspielen verteidigten dort bislang entweder Boateng oder Rafinha.
'Nicht so leicht wie im Hinspiel'
Variante zwei: Boateng rotiert wieder nach außen. Dann müsste Heynckes entscheiden, wer den Part neben Badstuber in der Innenverteidigung übernimmt. Die Kandidaten: Luiz Gustavo oder Anatoliy Tymoshchuk, die beide unter Ex-Coach Louis van Gaal dort bereits eingesetzt wurden. Zudem stünde Breno parat, der allerdings am Mittwoch und Donnerstag mit der Training aussetzte (leichte Kniereizung). „Ich erkenne noch keine Tendenz“, sagte Boateng.
Sowohl Spieler als auch Fans müssen sich bis zu Heynckes‘ Entscheidung also noch gedulden. Unabhängig davon erwartet den FC Bayern am Samstag ein schwieriges Auswärtsspiel. „Der HSV hat mit Thorsten Fink einen guten Trainer, es wird sicher nicht so leicht wie im Hinspiel“, vermutete Boateng. Damals siegte der deutsche Rekordmeister mit 5:0.
Boateng erwartet HSV-Abwehrbollwerk
Ähnlich deutlich verlor der Hamburger SV zum Rückrundenauftakt gegen Bayern-Verfolger Borussia Dortmund (1:5). In dieser Partie lief der Bundesliga-Dino ins offene Messer und wurde vom BVB ausgekontert. „Sie werden gegen uns sicher nicht so spielen, sondern sich eher hinten reinstellen und selbst versuchen, zu kontern“, befürchtete Boateng.
Im Gegensatz zum letzten Auswärtsspiel in Gladbach will der FCB diesmal den Abwehrriegel knacken und mit einem Sieg die Tabellenführung in der Liga verteidigen. Etwaige Konzentrationsschwächen auf Grund der anstehenden englischen Wochen mit zahlreichen Highlights lässt Boateng nicht als Ausrede gelten: „Wir denken nicht an die Champions League oder den DFB-Pokal. Jetzt ist Bundesliga!“