Knapp zwei Wochen ist er nun im Amt: Matthias Sammer, der Sport-Vorstand des FC Bayern. In der Öffentlichkeit trat der 44-Jährige bislang kaum auf. Stattdessen stürzte er sich gleich in die Arbeit. Sammer will keine Zeit verlieren und seinen neuen Arbeitgeber so schnell wie möglich kennenlernen. Nicht ein einziges Training verpasste er bislang. Sammer beobachtet, macht sich Gedanken, immer wieder tauscht er sich mit Cheftrainer Jupp Heynckes aus.
Am Freitag - bei der Vorstellung von Neuzugang Mario Mandzukic (eigener Bericht) - meldete sich Sammer erstmals nach seiner Antrittspressekonferenz zu Wort. Und er beschrieb sein Aufgabenfeld wie folgt: „Ich werde in Zukunft versuchen, eine sportliche Leitlinie hereinzubringen - ohne dem Trainer in die tägliche Arbeit reinzureden.“ Fragen über Taktik oder Spielsystem wiegelte Sammer ab, bestimmt und deutlich. Er stellte klar: „Wir haben einen erstklassigen Trainer. Ich bin nicht bereit über diese Dinge zu sprechen!“
Viel wollte Sammer generell nicht sagen, schließlich stand an diesem Tag Mandzukic - der Neuzugang vom VfL Wolfsburg - im Mittelpunkt. Das eine oder andere Statement ließ sich der gut aufgelegte Sammer von den zahlreichen Journalisten bei seinem Debüt auf dem Pult des Mediencenters an der Säbener Straße dann aber doch entlocken. Vor allem zwei Dinge thematisierte er. Zum einen den in dieser Saison verschärften Konkurrenzkampf. Und zum anderen weitere, mögliche Verstärkungen des bestehenden Kaders.
Sammer ist überzeugt: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft mit sehr guten Alternativen.“ Weitere Transfers seien nicht unbedingt notwendig, das Hauptaugenmerk liege auf dem „eigenen Entwicklungspotential“, erklärte der 44-Jährige: „Wir haben noch sehr gute Möglichkeiten, uns zu verbessern.“ Die Mannschaft sei in der vergangenen Saison „gut“ gewesen, „zu sehr gut fehlt nicht mehr so viel - aber vielleicht das Entscheidende.“
'Ich schließe nichts aus'
Dies soll nun aus den Spielern herausgekitzelt werden. Klar sei allerdings auch, dass der FC Bayern weiter „Augen und Ohren“ nach Spielern, die die Mannschaft „punktuell noch etwas besser machen“, offenhält. Sammers Resümee: „Ich schließe nichts aus, aber wir sind nicht unter Druck.“
Apropos Druck. Den sollen die Neuzugänge Mandzukic und Co. den Etablierten beim deutschen Rekordmeister in Zukunft verstärkt machen. Und so werde es im stark besetzten Kader des FC Bayern in dieser Saison möglicherweise den einen oder anderen „Härtefall“ geben, wie Sammer anmerkte: „Wir erwarten, dass die Spieler alles zum Wohle des Klubs tun. Bayern München ist immer größer als einzelne Personen, als einzelne Spieler und auch als ein Sport-Vorstand.“
Sammer klar und deutlich
Es gebe keine Mannschaft auf der Welt, die nur aus elf Spielern bestehe. Und so forderte der ehemalige Spitzenspieler Sammer, dass diese Denkweise in Zukunft akzeptiert werde: „Der Trainer muss die Möglichkeit haben, über qualitative Alternativen nachzudenken und nicht darüber, ob es ein Problem ist, wenn jemand mal nicht spielt.“ Klare, deutliche Worte. So, wie man Sammer kennt.